11.06. – 14.06. Neapel & Ischia

Neapel, das pulsierende Herz Süditaliens, ist laut, chaotisch, heiß und auf eine eigene Art besonders. Zwischen schmalen Gassen, in denen Wäscheleinen quer über die Straße gespannt sind, dem Duft von frisch gebackener Pizza und dem ständigen Gehupe der Vespas liegt ein Charme, den man so schnell nicht wieder vergisst. Nur eine kurze Fährfahrt entfernt liegt Ischia, die grüne Insel mit ihren heißen Quellen, die als ruhiger Gegenpol zur trubeligen Stadt dient.

11.06.2026 Anreise nach Neapel

Auf nach Bella Italia! Am Donnerstag, 11. Juni, machten wir uns zunächst mit der Bahn auf nach Frankfurt. Besonders hervorheben möchten wir hier: Die Bahn war ausnahmsweise einmal pünktlich. Von dort führte uns die Reise mit dem Flugzeug weiter nach Neapel. In Italien angekommen, brachte uns ein Bus in Richtung Stadt.

Für diesen Urlaub übernahm Nelly die komplette Urlaubsplanung. Normalerweise ist Sven unser persönliches Reisebüro (falls das noch nicht bekannt war) und nun ja … Nelly ist halt auch dabei. Diesen Urlaub hatte er sich aber selbst zum „Mitreisenden ohne Zuständigkeit“ erklärt und wollte sich einfach überraschen lassen. Warum das überhaupt erwähnenswert ist? Nun ja, die Lage unseres ersten Hotels war 1A. Die Reiseplanerin hatte also offensichtlich einen ziemlich guten Job gemacht (mit einem kleinen, aber nicht unerheblichen Anteil Zufall 😉 ). Zunächst war nämlich lange die Überlegung direkt in der Altstadt zu wohnen. Schlussendlich viel die Wahl dann aber auf die Unterkunft Maison Petronilla Napoli, verortet zwischen Altstadt, Quartieri Spagnoli, Chiaia und Hafen. Dadurch hatten wir einen super Ausgangspunkt, um sowohl durch die Altstadt zu flanieren oder kleine Boutiquen zu erreichen, aber auch schnell auf die Fähren zu gelangen, sodass man eigentlich direkt aus der Haustür ins Chaos, Leben und Sightseeing starten konnte. Auch sonst passte an der Unterkunft alles. Gut klimatisiert, genug Platz, schön eingerichtet, und der Check-in lief unkompliziert über einen Schlüsselkasten, ohne dass wir uns vorher groß ankündigen mussten.

Da bei unserer Ankunft schon Abend war, blieb nur die Frage offen: Wo essen wir? Das Was stand dabei schon lange vor der eigentlichen Reise fest. Wenn wir schon in Neapel sind, dann starten wir natürlich in den Urlaub mit dem wohl napolitanischsten Erlebnis: Pizza. Und zwar nicht die Version, wie wir sie aus Deutschland kennen, möglichst groß und mit allem belegt, was der Kühlschrank hergibt. Die neapolitanische Pizza lebt vom Gegenteil: wenige, dafür hochwertige Zutaten und einem perfekt zubereiteten Teig. Schließlich wurde die Pizza genau hier erfunden und die Neapolitaner legen bis heute großen Wert darauf, das Original zu bewahren. Varianten mit Salami, Thunfisch oder gar Ananas sucht man auf traditionellen Speisekarten meist vergeblich. Wer danach fragt, enttarnt sich ziemlich schnell als Tourist.

Da wir beide keine Lust mehr auf langes Recherchieren hatten, machten wir uns auf den Weg zu einer der bekanntesten Pizzerien der Stadt, mit über 50.000 Google-Bewertungen: L’Antica Pizzeria da Michele. Die Speisekarte ist bewusst extrem klein gehalten. Es gibt nur zwei Optionen: Margherita und Marinara. Genau diese beiden gelten als die ursprünglichen Formen der Pizza, wie sie in Neapel entstanden sind. Die Marinara kommt dabei komplett ohne Käse aus und wird lediglich mit Tomatensoße, Knoblauch, Oregano und Olivenöl belegt. Die Margherita setzt dagegen auf Tomatensoße, Mozzarella und Basilikum.

Das Restaurant selbst bietet einige wenige Sitzplätze, aber aufgrund der Bekanntheit muss man mit vielen wartenden Menschen rechnen. Für die Pizza to Go gibt es jedoch eine extra Schlange und wir entschieden uns kurzerhand dafür. Da diese klassischen Pizzen in Neapel nicht als Luxusprodukt vermarktet werden, sondern auch weiterhin als Alltagsessen für die Einheimischen dienen soll, sind die Preise sehr günstig. Wir zahlten für beide Pizzen 12 Euro. Auch ein paar Stehtische sind draußen aufgestellt, aber der Platz selbst ist weder gemütlich, noch sehr einladend, weshalb wir uns ein Stück weiter in eine kleine, beleuchtete Seitengasse auf ein paar Treppenstufen setzten, die Leute beobachteten und unsere Pizzen genüßlich aus dem Pappkarton aßen, mitten in den Straßen von Neapel. Überraschenderweise schmeckte uns beiden die Marinara sogar besser als die mit Käse belegte Pizza. Die Pizzen waren auf jeden Fall lecker, aber es gibt an vielen Orten in Neapel unglaublich schmackhafte Pizza. Wenn du also keine Lust auf viele Menschen hast, laufe einfach ein paar Straßen weiter :). Danach machten wir noch eine kleine Runde durch die Altstadt und kamen auch an der Galleria Umberto I, einer bekannten Einkaufspassage Neapels, vorbei. Danach ging es für uns ins Bett, der erste Tag zwischen Anreise und Hitze hatte uns ordentlich geschafft.

12.06.2026 Neapel und Pompeji

Den Tag begannen wir mit einem kleinen Spaziergang durch die Stadt. Da wir kein Frühstück im Hotel gebucht hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem gemütlichen Café. Das stellte sich allerdings schwieriger heraus als gedacht. Ein Café für einen ausgiebigen Frühstücksbrunch, wie wir es aus Deutschland kennen, war kaum zu finden. Schließlich wurden wir doch noch fündig, und verstanden schnell, warum das Angebot so überschaubar war. Der Kaffee war in Ordnung, die Pancakes eher durchschnittlich und die Location ganz nett. Für die nächsten Tage passten wir uns deshalb an. Schließlich wollten wir die italienische Lebensweise möglichst authentisch erleben. Also gab es fortan einen schnellen Espresso oder Cappuccino und ein Croissant auf die Hand, das war’s.

Für Nachmittags stand Pompeji, die bekannte Ruinenstadt, auf dem Programm, wofür wir aus der Neapel hinausfahren mussten. Die Tickets hatte Nelly bereits vorab online über die offizielle Pompeji-Website gekauft. Es gibt zwei Timeslots, zu denen der Eintritt gewährt wird: Von 9 – 13 Uhr erhalten die ersten 15.000 Besuchenden Zutritt, ab 13 Uhr gibt es nochmal weitere 5.000 Tickets. Die Einlasskarten können bis zu 2-3 Monate im Voraus gekauft werden. Erreichbar ist die Ausgrabungsstätte ganz einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, Bus oder Zug, zu einem günstigen Preis.

Wir entschieden uns für den Bus, da er direkt vor unserer Tür vom Hafen unten bis zur Haltestelle Pompei scavi fuhr. Eine Fahrt kostete uns 3,30 € pro Person, in einem klimatisierten und leeren Bus, welches wir direkt an der Haltestelle bei angestelltem Personal kauften. Kleiner Einschub: Die Anbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln in Campania ist wirklich gut und günstig. Sowohl in Neapel und Umgebung als auch nach Salerno nutzten wir Bus und Zug. Für uns zeigte sich, dass wir Bus sogar präferierten. Häufig dauert es damit etwas länger, dafür gibt es meist keine Platzprobleme und eine angenehme Reisetemperatur.

Mit der UnicoCampania-App könnt ihr die Abfahrtspläne für die öffentlichen Verkehrsmittel prüfen und auch Tickets kaufen. Jedoch Vorsicht: So ganz 100% sollte man sich nicht auf die Abfahrtspläne verlassen. Es kam das ein oder andere Mal vor, dass der Bus nicht oder verspätet kam, oder wir die Haltestelle nicht finden konnten, weil in der App der Standort nicht ganz genau angezeigt wurde. Auch würden wir euch raten, die Tickets nicht zu früh zu kaufen. Zweimal kam der Bus nicht und wir hatten bereits Tickets gekauft, die dann verfielen. Meistens kann man die Tickets auch direkt im Bus oder beim Personal vor Ort kaufen (oder am Bahnhof), jedoch gab es auch Busfahrer, die einen ohne vorab gekauftes Ticket nicht einstiegen ließen. Es muss hier also immer etwas abgewogen werden, was der richtige Weg ist, ganz nach der entspannten, italienischen Lebensphilosophie 😀

Wir entschieden uns für den Nachmittagsslot, um morgens genug Zeit für eine entspannte Anreise zu haben. An dieser Stelle müssen wir zugeben: Ursprünglich war der Tag von Nelly anders geplant gewesen. Neben Pompeji stand eigentlich am Morgen ein Besuch des bekannten Vulkans Vesuv auf dem Programm, da beide Sehenswürdigkeiten auf dem gleichen Weg liegen. Auch hier hatte sie die Tickets bereits vorab online über die offizielle Website für 11,68 Euro pro Person gekauft. Diese können lediglich bis zu 30 Tagen im Voraus in einem Abstand von 10-Minuten-Slots gebucht werden, wobei jedoch der Zutritt in einem Zeitfenster von 40 Minuten vor und 100 Minuten nach der gewählten Uhrzeit zur Verfügung steht. Da wir jedoch sowohl aus unserem Umkreis, als auch von Bewertungen gehört hatten, dass das Erlebnis wohl nicht so überragend sein soll und man auch noch zusätzlich Transfertickets über einen privaten Anbieter kaufen muss, entschieden wir uns kurzerhand die Attraktion sausen zu lassen. Shame on us!

Den Nachmittag verbrachten wir also zwischen den alten Mauern von Pompeji, viel Geschichte, vielen Steinen und jeder Menge Eindrücke.

Nach einem ziemlich heißen Tag wollten wir die Rückreise antreten. Als wir die Tickets für die Hinfahrt gekauft hatten, wurde uns noch versichert, dass der letzte Bus zurück nach Neapel um 19 Uhr fahren würde. Tja… tat er nicht. Also standen wir eine ganze Weile an der Bushaltestelle und warteten. Und warteten. Unsere Getränke hatten wir bei der Hitze natürlich schon längst geleert. Aufgrund der langen Wartezeit und der Wärme wurde unser Durst immer größer, aber weit und breit keine Möglichkeit mehr etwas zu trinken zu kaufen. Alles hatte bereits geschlossen. Irgendwann sprach sich herum, dass die letzte Möglichkeit wohl der Regionalzug sei. Blöd nur, dass es auch am Bahnhof weder einen Kiosk noch irgendeine Möglichkeit gab, sich etwas zu trinken zu besorgen.

Also machten wir uns noch schnell auf den Weg zu einem nahegelegenen Campingplatz, um endlich unsere Kehlen wieder mit Wasser zu befeuchten. Anschließend ging es mit einer rustikalen, vollen Regionalbahn zurück nach Neapel. Bequem ist definitiv etwas anderes. Deshalb, wie bereits zuvor erwähnt, wenn ihr die Wahl habt, nehmt den Bus. Preislich gibt es kaum einen Unterschied und erstaunlicherweise scheint ihn kaum ein Tourist zu nutzen. Dadurch sitzt man meistens fast allein und die Fahrt ist deutlich angenehmer.

Nach diesem kleinen Abenteuer hatten wir uns das Abendessen mehr als verdient. Pizza gab es bereits am Vorabend, also sollte es diesmal Pasta werden. Genauer gesagt: Pasta mit Ragù, einer der Klassiker der neapolitanischen Küche. Nach kurzer Recherche entschieden wir uns für das Tandem Ragù – Via Paladino. Rückblickend können wir sagen: Wir haben beide denselben Fehler gemacht. Schon beim Betreten des Restaurants hatten wir irgendwie kein gutes Gefühl. Trotzdem gingen wir hinein. Wahrscheinlich, weil wir nach dem langen Tag einfach zu hungrig waren, um noch weiterzusuchen. Erst hinterher stellten wir fest, dass wir beide genau dasselbe gedacht hatten, nur keiner von uns hatte es ausgesprochen. Kommunikation kann manchmal eben doch hilfreich sein.

Eigentlich hätten wir außerdem viel lieber draußen gesessen, ließen uns dann aber doch einen Tisch im Innenbereich geben. Das Essen war völlig in Ordnung und die Pasta sogar hausgemacht. Das Ambiente und der Service konnten uns allerdings nicht wirklich überzeugen. Überhaupt hatten wir während unseres Aufenthalts das Gefühl, dass man sich in Neapel nicht wirklich auf Google-Bewertungen verlassen sollte. Unser Rat: Hört lieber auf euer Bauchgefühl. Kleine, familiengeführte Trattorien wirken von außen vielleicht unscheinbar, bieten aber oft das authentischere Essen und das schönere Gesamterlebnis.

Zum Abschluss des Tages durfte natürlich noch ein italienisches Eis nicht fehlen. Danach ging es müde, aber um einige Erfahrungen reicher, zurück ins Hotel.

13.06.2026 Neapel und Eros Ramazzotti

Am Samstag stand ein Event an, warum wir überhaupt erst auf die Idee gekommen sind, den Urlaub in Italien zu planen. Man glaubt es kaum, aber Sven, der 32 Jahre junge Mann, hört tatsächlich in seiner Freizeit regelmäßig gerne den italienischen Popsänger Eros Ramazzotti. Zufälligerweise hatten wir Anfang des Jahres gesehen, dass er (wie anscheinend fast jährlich) auf Welttournee unterwegs ist. Aber in Deutschland? Mähh… das ist vielleicht schon etwas langweilig. Wieso nicht live in Italien, wo tausende von Menschen die Sprache verstehen und den Text tatsächlich auch mitsingen können? Gesagt, getan: Wir checkten die Websiten nach Tickets in Italien. Sowohl Rom als auch Neapel: Ausgebucht. Sven durchforstete die Untiefen des Internets und wurde dann tatsächlich über eBay Kleinanzeigen fündig. Chanti aus Deutschland hatte drei Tickets für Neapel abzugeben. Somit planten wir alles weitere um unseren Urlaub, erst nachdem wir die Eros-Tickets ergattert hatten.

Da das Konzert erst am Abend im Stadion Diego Armando Maradona stattfand, nutzten wir den Tag zum Bummeln in der Innenstadt. Ein paar kleine Boutiquen abklappern, frischen Zitronensaft trinken, kurz bei der Eisdiele vorbei, mittags noch etwas Kleines essen. So verging der Tag wie im Flug, bis es Zeit war, mit dem Bus zum Stadion aufzubrechen.

Kurz vor dem Stadion kamen wir zufällig in einem Café vorbei, in dem sich offenbar schon viele andere Konzertbesucher zum Anstoßen getroffen hatten. Da wir etwas früh dran waren, gesellten wir uns kurzerhand dazu. Im Hintergrund trällerte der Eros durch die Lautsprecher des Cafés.

Auf dem Stadionvorplatz tummelten sich die Fans und strömten nach und nach in die Arena. Natürlich wurde auch versucht, noch den ein oder andere Eros-Merch zu verkaufen. Scheinbar ist es wohl ein Ding, dass die Musikbewunderer alle mit Fanschals durch die Gegend laufen. Und da wir ja auch einen kleinen Eros-Groupie dabei hatten, ließ es sich Sven nicht nehmen, natürlich auch einen Schal zu kaufen. Preislich fair, für ein 5er war er dabei.

Das Stadion selbst war mit fast 50.000 Plätzen fast restlos ausverkauft. An unseren Plätzen lernten wir auch direkt unsere Sitznachbarn kennen: Chantal und ihren Freund, eben die, von denen wir die Karten abgekauft hatten. Beide super lieb und unterhaltsam, sodass der Abend schon vor Konzertbeginn deutlich an Stimmung gewann.

Während sich die Ränge um uns immer weiter füllten, tauchten plötzlich mehrere ItalienerInnen mit herzförmigen Luftballons in Ihren Händen auf, die sie im Publikum verteilten. Ohne groß zu überlegen waren wir natürlich sofort dabei. Wir bliesen unsere Ballons auf und hielten sie bereit, schließlich wollte man hier kein Spielverderber sein. So begann das Konzert noch bevor überhaupt ein Ton erklang: mit einer riesigen, aufgeladenen Vorfreude im ganzen Stadion.

Das Konzert startete und schon von Beginn an wurde im gesamten Stadion fleißig mitgesungen. Irgendwann zwischendrin wurden wir plötzlich von oben mit einem weißen Tuch bedeckt. Um uns herum wurde laut „Eros, Eros, Eros!“ gegrölt und für einen kurzen Moment waren wir komplett in dieser Masse aus Energie, Musik und Bewegung gefangen. Relativ schnell wurde uns klar: Wir saßen offensichtlich nicht in irgendeinem normalen Block, sondern mitten bei den Eros-Ultras. Beherzt griffen wir nach dem Tuch und stimmten lautstark in den Chor mit ein.

Und genau so zog sich der Abend weiter: ausgelassen, laut, emotional und mit einer Energie, die sich von Minute zu Minute gesteigert hat. Das Konzert selbst war mega. Auch für Nelly, die ja einfach nur aus Neugier mitgekommen war, wurde positiv überrascht. Am Ende waren wir uns beide einig: Sound, Stimmung und Atmosphäre waren absolut auf den Punkt. Ein Abend, den man so schnell nicht vergisst und ein Konzert, das wir auf jeden Fall weiterempfehlen können.

Doch das Erlebnis war damit noch nicht zu Ende. Auch für den Rückweg wollten wir wieder den Bus nehmen und machten uns entsprechend auf den Weg zur Haltestelle. Dort trafen wir auf zwei deutsche Freundinnen, die zuvor ein paar Reihen vor uns im Stadion gesessen hatten. Ob es an den Menschenmassen nach dem Konzert oder am italienischen Verkehrssystem lag, wissen wir bis heute nicht, aber der Bus kam nicht. Auch nach einiger Zeit des Wartens tat sich einfach nichts. Also entschieden wir uns zu viert, gemeinsam ein Taxi zu nehmen.

Die ersten Fahrer, die sich anboten, wollten direkt 25 Euro pro Person für eine Strecke von gerade einmal fünf Kilometern. Im Vergleich zu den 1–3 Euro für die Busfahrt war das für uns dann doch etwas zu viel, also lehnten wir ab. Kurz darauf fuhr ein kleines Auto an uns vorbei, der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und fragte: „Braucht ihr ein Taxi?“ Sven zögerte nicht und fragte direkt nach dem Preis. Ein offizielles Schild war nirgends zu sehen, aber 10 Euro pro Person und vor allem die Aussicht, ohne weitere Ungewissheit in die Stadt zu kommen, waren zu verlockend. Also stiegen wir ein.

Was folgte, war vermutlich die wildeste Taxifahrt unseres Lebens. Mit Verkehrsregeln nahm es der Fahrer offensichtlich nicht allzu genau. Jede Kurve wurde mit gefühlten 70 Sachen genommen, und wir schossen mitten durch die engen Gassen Neapels, um Staus konsequent zu umgehen. Auf der Rückbank saßen die beiden Damen, die ihr Schicksal inzwischen eher still akzeptierten. Die einzigen, die während der gesamten Fahrt völlig entspannt blieben, waren der Fahrer selbst, ein typischer Einheimischer, der ganz offensichtlich genau wusste, was er tat und Sven, der relaxed das Geschehen verfolgte. Fast schon beruhigend, wenn auch auf eine sehr spezielle Art.

Am Ende kamen wir trotzdem heil und deutlich schneller als erwartet zurück in die Stadt. Nach einem wirklich großartigen Konzertabend und einem letzten kleinen Adrenalinkick des Tages endete ein wunderbarer Samstag, an dem sich für Sven endlich ein lang gehegter Konzertwunsch erfüllt hatte.

14.06.2026 Ischia

Am Sonntag ging es für uns nach Ischia, eine Insel südwestlich von Neapel, die besonders für ihre Thermalquellen, grünen Hänge und entspannten Badeorte bekannt ist. Im Vergleich zur deutlich touristischeren Nachbarinsel Capri wirkt Ischia etwas ursprünglicher und ruhiger.

Für die Überfahrt benötigten wir ein Fährticket. Gerade in der Hochsaison lohnt es sich, einige Tage im Voraus zu buchen, vor allem wenn man früh auf der Insel ankommen oder abends rechtzeitig zurück nach Neapel fahren möchte. Das geht zum Beispiel ganz unkompliziert über die App Ferryhopper, über die Nelly auch schon in Griechenland ihre Fähren gebucht hat. Je nach Anbieter kann es allerdings vorkommen, dass man direkt über die Reederei buchen oder das Ticket am Hafen noch in ein Papierticket umtauschen muss, da nicht überall e-Tickets akzeptiert werden. Die entsprechenden Hinweise bekommt man aber in der Regel direkt bei der Buchung.

Unser Ziel auf Ischia war eines der bekannteren Thermalbäder der Insel: Negombo im Norden. Die Anlage liegt in der Bucht von Lacco Ameno und ist etwas ruhiger als das größere und stärker besuchte Poseidon-Garten-Thermalbad. Der Eintritt ist nicht ganz günstig, lohnt sich aber, wenn man früh mit der Fähre ankommt und den ganzen Tag vor Ort verbringen kann. Vom Hafen aus nahmen wir den Bus, der auf der Insel gut funktioniert und einen unkompliziert zu den verschiedenen Orten bringt.

Das Thermalbad selbst ist wunderschön in die Natur eingebettet und wirkt wie ein botanischer Garten direkt am Meer. Zwischen Palmen, tropischen Pflanzen und kleinen verschlungenen Wegen verteilen sich zahlreiche Thermalbecken mit unterschiedlichen Temperaturen sowie natürliche Grotten und Felsenbereiche. Dadurch entsteht eine Mischung aus Badepark und Naturerlebnis, die Ischia so besonders macht.

Beim Mittagessen vor Ort wurden allerdings schnell die typischen „Touristenpreise“ sichtbar, weshalb sich ein kleiner Spaziergang lohnt: Ein Stück weiter unten am Strand findet man eine einfache Imbissbude mit günstigeren Sandwiches und Snacks. Generell lohnt es sich, ein paar Kleinigkeiten selbst mitzunehmen und nur gezielt vor Ort etwas dazuzukaufen.

Gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Rückweg, da unsere Fähre um 19.45 Uhr ablegte und wir die Ungewissheit mit den Busplänen mit einkalkulieren wollten. Klappte jedoch alles ohne Probleme und so erreichten wir Neapel spät abends. Unsere Sachen brachten wir schnell ins Hotel und machten uns dann direkt auf den Weg zum Pasta-Restaurant La Locanda Gesù Vecchio. In der Straße gibt es zwei davon, die zusammengehören. Gibt es bei dem einen keinen Platz, könnt ihr es bei dem anderen versuchen. Dennoch ist hier eine Reservierung empfehlenswert. Es war richtig lecker und genau das, was man sich für einen gelungenen Pasta-Abend wünscht. Danach liefen wir zurück ins Hotel, packen war angesagt, denn am nächsten Tag ging es für uns weiter an die Amalfi-Küste.

UNSERE TIPPS: 

Neapel

  • Keine zu hohen Erwartungen an die Stadt: Neapel kann laut, chaotisch, dreckig und an manchen Ecken sehr touristisch sein. Genau das macht aber auch einen Teil des Charmes aus. Informiert euch vorher über die verschiedenen Viertel, jedes hat seinen ganz eigenen Charakter und eine völlig andere Atmosphäre.
  • Die Unterkunft clever wählen. Eine zentrale Lage mit guter Anbindung an Bus, Metro und Hafen spart unglaublich viel Zeit. Unsere Unterkunft, die Maison Petronilla Napoli, lag genau zwischen Altstadt, Hafen und Bahnhof, für uns der perfekte Ausgangspunkt.
  • Fährtickets frühzeitig buchen. Vor allem die beliebten Abfahrtszeiten nach Ischia oder Capri sind in der Hochsaison oft schon Tage vorher ausgebucht. Wir können dafür die App Ferryhopper empfehlen.
  • Tickets für den Vesuv und Pompeji vorher reservieren. Besonders für den Vesuv gibt es feste Zeitfenster, die schnell ausgebucht sind.
  • Bus statt Metro. Überraschenderweise fanden wir den Bus oft angenehmer als die Metro. Preislich macht das kaum einen Unterschied und häufig ist man sogar entspannter unterwegs.
  • Bei Bus und Bahn immer genügend Puffer einplanen. In und um Neapel sind Fahrpläne eher eine Orientierung als ein Versprechen. Besonders wenn ihr eine Fähre oder einen Zug erreichen müsst, lieber etwas früher losfahren.
  • Verlasst euch nicht blind auf Google-Bewertungen. Unser Eindruck war, dass Bewertungen in Neapel häufig wenig über das eigentliche Erlebnis aussagen. Hört lieber auf euer Bauchgefühl und haltet Ausschau nach kleinen, familiengeführten Trattorien.
  • Die Pizza gehört einfach dazu. In traditionellen Pizzerien gibt es oft nur Margherita und Marinara. Lasst euch davon nicht abschrecken, genau diese Einfachheit macht die originale neapolitanische Pizza aus.
  • Bei der Pizzeria Da Michele lohnt sich Take-away. Die Warteschlange ist häufig lang und im Innenraum wird es schnell heiß. Pizza zum Mitnehmen ist deutlich entspannter und schmeckt auf der Straße mindestens genauso gut.
  • Bei Taxis immer vorher den Preis vereinbaren. Gerade nach Veranstaltungen oder an touristischen Orten werden häufig überhöhte Preise verlangt. Ein kurzer Preisvergleich kann sich definitiv lohnen.

Ischia

  • Thermen-Tickets früh buchen. Gerade im Sommer sind die beliebten Thermalparks schnell ausgebucht. Wartet deshalb nicht bis zum letzten Tag. Essen, Getränke und ein Handtuch selbst mitbringen. Im Thermalbad sind Speisen und Getränke vergleichsweise teuer. Mit einem kleinen Rucksack spart ihr einiges und seid flexibler. Besonders die Terrassen im oberen Bereich oder die kleinen erhöhten Plätze direkt am Strand gehören zu den schönsten Ecken im Negombo. Wer früh kommt, hat die größte Auswahl.
  • Etwas Bargeld dabeihaben. Auch wenn vieles mit Karte funktioniert, ist Bargeld auf Ischia immer wieder praktisch.
  • Die Rückfahrt großzügig planen. Vor allem der Bus zurück zum Hafen kann Verspätung haben, ausfallen oder bereits voll sein. Plant deshalb ausreichend Zeit ein, die letzte Fähre wartet nicht.
  • Busfahren lohnt sich auch auf Ischia. Das Liniennetz bringt euch günstig zu den wichtigsten Orten der Insel und ist eine entspannte Alternative zum Mietwagen.

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