15.06.2026 Anreise Amalfi
Nach dreieinhalb erlebnisreichen Tagen in Neapel und Ischia ging es für uns weiter an die Amalfi-Küste. Auch dieses Mal entschieden wir uns für den Bus und wurden erneut nicht enttäuscht. Im Gegensatz zu den oft überfüllten Zügen waren wir fast allein im angenehm klimatisierten Bus und hatten jede Menge Platz. Außerdem handelte es sich um einen Doppeldeckerbus, weshalb wir uns natürlich nach oben setzten und so auch gleich einen Eindruck von der Gegend erhalten konnten. Für 5,50 Euro pro Person auch preislich unschlagbar.
Unser Ziel war zunächst Salerno. Von dort aus wollten wir mit der Fähre weiter nach Amalfi. Anders als bisher hatten wir die Tickets diesmal bewusst nicht vorab gebucht. Da wir nicht genau wussten, ob der Bus pünktlich ankommen würde, wollten wir kein Fährticket kaufen, das wir am Ende vielleicht gar nicht einlösen hätten können.
Am Hafen angekommen, erkannten wir, dass die nächste Fähre in 10 Minuten ablegen würde. Perfekt, nehmen wir! Da wir im Verhältnis zu den anderen Menschen entsprechend spontan und spät dran waren, hatte sich vor dem Eingang bereits eine lange Schlange gebildet und wir dachten schon, dass wir vermutlich ziemlich spät an Board gehen würden. Doch dann kam die Überraschung: Passagiere mit Papier- und e-Tickets wurden getrennt. Da wir unsere Tickets erst vor Ort gekauft hatten, durften wir in die deutlich kürzere Schlange für Papiertickets und konnten sogar als eine der ersten Personen an Bord gehen. Manchmal zahlt sich Spontanität also doch aus ;).


Die Überfahrt dauerte ca. 30-40 Minuten. Je näher wir Amalfi kamen, desto beeindruckender wurden die steilen Felsen, die bunten Häuser und die kleinen Buchten entlang der Küste. Kein Wunder, dass die Amalfi-Küste zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
In Amalfi angekommen machten wir uns direkt auf den Weg zu unserer Unterkunft. Nelly hatte sich, nach etwas Recherche, für die Villa Zagara entschieden. Warum? Da die Küstenregion weltbekannt ist, sind die Preise hier entsprechend höher. Sowohl Restaurants als auch Unterkünfte bewegen sich eher auf deutschem Niveau. Für unsere zwei Übernachtungen in Amalfi zahlten wir ungefähr so viel wie zuvor für vier Nächte in Neapel, jedoch mit Frühstück inklusive. Um den Geldbeutel also etwas zu schonen, denn nach oben sind hier keine Grenzen gesetzt, da wir körperlich fit sind und nur mit unseren Backpacks reisten, entschied sie sich für eine Unterkunft etwas außerhalb. Rückblickend war das eine super Entscheidung, denn die Unterkunft liegt etwas oberhalb des Ortskerns, dort, wo das touristische Treiben langsam endet und das Leben der Einheimischen beginnt. Der Weg dorthin führt allerdings über einige Treppen. Wer mit großem Koffer unterwegs ist oder nicht gut zu Fuß, sollte das unbedingt bedenken. Für uns war diese Lage jedoch perfekt. Wir lieben es, das echte Leben und den Alltag der Einheimischen vor Ort mitzubekommen.
Schon beim Ankommen wurden wir mit einem traumhaften Blick über einen riesigen Zitronenhain begrüßt. Überall hingen die berühmten Amalfi-Zitronen an den Bäumen. Aus ihnen wird unter anderem der bekannte Limoncello oder das weltberühmte Zitronensorbet hergestellt, welche hier praktisch an jeder Ecke verkauft werden. Da wir etwas früher angekommen waren, konnten wir unser Zimmer zwar noch nicht beziehen, machten es uns aber erst einmal auf der Terrasse gemütlich und genossen den Blick über das Tal. Zur Begrüßung gab, na klar, einen Limoncello in einem mit zitronenbemalten Tässchen. Da war klar, wir brauchen die auch und wir nahmen uns vor am nächsten Tag danach zu suchen. Nach dem Check-in bestätigte sich dann auch unser erster Eindruck: Das Zimmer war liebevoll eingerichtet, sauber, angenehm kühl und verfügte über eine eigene, kleine Terrasse mit Blick auf den Zitronenhain.


Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, machten wir uns auf, Amalfi zu erkunden. Der kleine Küstenort ist zwar weltberühmt, selbst aber überraschend kompakt. Rund um den Dom und den Hafen herrscht tagsüber reger Betrieb, denn täglich legen unzählige Fähren mit Tagesgästen an. Gegen Abend wird es jedoch deutlich ruhiger. Genau das würden wir jedem empfehlen: Bleibt mindestens eine Nacht in Amalfi. Sobald die letzten Fähren abgelegt haben, verändert sich die Atmosphäre komplett und der Ort wirkt plötzlich viel entspannter.
Von Amalfi aus spazierten wir anschließend weiter nach Atrani. Das kleine Nachbardorf erreicht man in etwa 20 Minuten zu Fuß durch einen kurzen Tunnel. Obwohl Amalfi jedes Jahr von Millionen Touristen besucht wird, verirren sich nach Atrani deutlich weniger Besucher. Dabei gilt der Ort mit seinen engen Gassen, den bunten Häusern und dem kleinen Marktplatz als eines der schönsten Dörfer der gesamten Küste. Für uns hatte Atrani noch eine ganz besondere Bedeutung. Wir kannten den Ort nämlich bereits aus dem Film The Equalizer 3. Schon damals hatten wir während des Films auf Google Maps nachgeschaut und uns den Ort gespeichert, weil wir ihn so traumhaft fanden. Umso schöner war es, nun tatsächlich selbst durch diese Gassen zu schlendern.


Auf dem Rückweg meldete sich schließlich der Hunger. Heute durfte es mal wieder Pizza sein, also kehrten wir bei Carlo Fiamma Pizzeria ein. Die Pizza war wirklich richtig lecker und der perfekte Abschluss unseres ersten Tages an der Amalfi-Küste. Als Letztes begaben wir uns ans Meer. Der ganze Himmel war auf einmal dunkelorange eingefärbt und leuchtete majestätisch über der süßen Stadt. Ein wirklich beeindruckender Anblick!
16.06.2026 Pizzakurs
Den Dienstag ließen wir ganz entspannt angehen. Ausschlafen, gemütlich fertig machen und anschließend Frühstück auf der Terrasse, natürlich mit Blick über den riesigen Zitronenhain. Schlechter kann man wohl kaum in den Tag starten.
Für den Nachmittag hatte Nelly bereits von Deutschland aus eine Pizza-Klasse gebucht. Gerade in der Hauptsaison sind die Plätze schnell vergeben, deshalb würden wir empfehlen, sich rechtzeitig darum zu kümmern. Unser Programm für den Nachmittag stand also bereits fest und so blieb uns am Vormittag noch genügend Zeit, Amalfi etwas genauer zu erkunden.



Wofür Amalfi wohl am bekanntesten ist, dürfte jeder sofort beantworten können: natürlich für seine riesigen Zitronen. Doch mindestens genauso berühmt ist die Region für ihre handbemalte Keramik. Schon am Vortag hatten wir uns in die kleinen Tassen mit den typischen Zitronenmotiven verliebt und beschlossen deshalb, heute auf Souvenirjagd zu gehen.
Wir klapperten einen Keramikladen nach dem anderen ab, bis wir schließlich genau die richtigen Tässchen fanden. Dabei merkten wir allerdings schnell, dass längst nicht alles, was in den Regalen steht, auch tatsächlich aus der Region stammt. Immer wieder entdeckten wir nahezu identische Modelle, die offensichtlich industriell gefertigt waren. Falls du ebenfalls Keramik kaufen möchtest, haben wir einen kleinen Tipp: Achte darauf, dass die Muster nicht komplett identisch sind. Kleine Unterschiede sprechen meist für echte Handarbeit. Auch das Gewicht verrät oft einiges, handgefertigte Keramik ist meist etwas schwerer. Besonders authentisch sind Stücke aus Vietri sul Mare, einem kleinen Ort am Anfang der Amalfi-Küste, der seit Jahrhunderten für seine Keramikkunst bekannt ist.
Als Nächstes standen Schuhgeschäfte auf dem Programm. Nelly war schon lange auf der Suche nach einem Paar schöner Ledersandalen. Und wenn man irgendwo welche kauft, dann doch wohl an der Amalfi-Küste. Denn auch dafür ist die Region bekannt. Unsere Wahl fiel auf Sandali Belgrado. Dort kann man sich seine Sandalen komplett individuell zusammenstellen, ob flach oder mit Absatz, schlicht oder bunt, mit goldenen Details oder ganz klassisch. Nachdem Nelly ihr Modell ausgesucht hatte, wurden die Sandalen direkt vor Ort an ihren Fuß angepasst. Die Riemchen wurden enger gesetzt, damit wirklich alles perfekt sitzt, und zum Schluss wurde sogar noch ihr Name ins Leder geprägt. Persönlicher kann ein Souvenir kaum sein. Nach einem kurzen Drink in einem kleinen Café brachten wir unsere Einkäufe zurück ins Hotel und gönnten uns noch eine kleine Pause. Denn am Nachmittag wartete das Highlight des Tages auf uns.
Um 16:30 Uhr begann unsere Pizza-Klasse bei Amalfi Heaven Gardens. Gebucht hatten wir ganz bewusst den letzten Zeitslot des Tages. Zum einen war es am späten Nachmittag deutlich angenehmer von den Temperaturen, zum anderen tauchte die Abendsonne den Garten in ein wunderschönes Licht. Und mal ehrlich: Wenn das Abendessen schon im Preis inklusive ist, freut sich natürlich auch der kleine Sparfuchs in uns. Laut Website sollte der Treffpunkt etwa 20 Minuten zu Fuß von Amalfi aus erreichbar sein. Unser Eindruck: Plant lieber 30 bis 40 Minuten ein, vielleicht sind wir aber auch einfach den falschen Weg gegangen.


Schon bei der Ankunft wurden wir mit einem Begrüßungsgetränk empfangen. Unsere Gruppe bestand aus etwa zehn Personen: einer amerikanischen Familie mit drei Generationen und verspätet kamen noch drei junge Amerikanerinnen dazu. Das Klischee wurde dabei tatsächlich ziemlich gut erfüllt, laut, offen und ein bisschen durch den Wind (nicht despektierlich gemeint). Wir mussten das ein oder andere Mal schmunzeln und hatten insgesamt wirklich eine richtig tolle Gruppe.
Bevor es ans Kochen ging, bekamen wir zunächst eine kleine Führung durch den Garten. Viele der Zutaten wachsen direkt dort: Zitronen, Tomaten und Kräuter. Während wir zwischen den Pflanzen hindurchliefen, eröffnete sich immer wieder ein traumhafter Blick über die Amalfi-Küste.
Anschließend ging es, eine Etage nach oben, in die Outdoor-Küche, wo wir Schritt für Schritt unsere Pizza zubereiteten. Besonders überrascht waren wir vom Teig, denn die Zubereitung war verblüffend einfach: Mehl, Wasser, Salz und Hefe. Kurz mit dem Löffel zusammengerührt, danach geknetet, fertig. Wir hatten zu Hause schon mehrfach versucht, selbst einen guten Pizzateig herzustellen, mit eher durchwachsenem Erfolg. Hier schien plötzlich alles kinderleicht zu funktionieren.
Nachdem jeder seinen Teig zu einer kleinen Kugel geformt hatte, wurden diese allerdings direkt wieder eingesammelt. Der Grund: Ein guter Pizzateig braucht hier rund 48 Stunden Ruhezeit. So lange wollte natürlich niemand von uns auf sein Abendessen warten. Aus hygienischen Gründen dürfen die Teiglinge der vorherigen Gruppen allerdings nicht weiterverwendet werden. Stattdessen bekamen wir später bereits perfekt gereifte Teiglinge, die der Chef persönlich vorbereitet hatte. Unsere eigenen verschwanden übrigens nicht im Müll, sie wurden nach ihrer Ruhezeit ausgebacken und anschließend an die Hühner auf dem Gelände verfüttert. Ein schöner Gedanke, dass hier wirklich nichts verschwendet wird.

Danach stand die Tomatensoße an. Auch hier wurde uns schnell klar, dass gute italienische Küche vor allem von ihrer Einfachheit lebt. Jeder bekam zwei Roma-Tomaten, die zunächst kreuzförmig eingeritzt und anschließend kurz blanchiert wurden. Danach ließ sich die Haut ganz leicht abziehen. Die Tomaten wurden halbiert, zweimal durch eine Tomatenpresse gegeben und anschließend noch durch ein feines Sieb gestrichen, damit überschüssiges Wasser entfernt wurde. Zum Schluss kam genau eine weitere Zutat dazu: Salz. Kein Zucker, keine Kräuter und keine geheime Gewürzmischung.
Während wir fleißig arbeiteten, wurden immer wieder Wasser und Wein nachgeschenkt. Spätestens da fühlte sich das Ganze nicht mehr wie ein Kochkurs, sondern eher wie ein gemeinsamer Abend mit Freunden an.
Das größte Highlight wartete allerdings noch auf uns: Mozzarella selbst herstellen. Immer zu zweit bekamen wir einen Block frischen Käsebruchs (Cheese Curd), den wir zunächst in kleine Stücke schnitten. Anschließend wurde heißes Wasser darüber gegossen und die Masse mit einem Holzlöffel so lange verrührt, bis ein geschmeidiger Klumpen entstand. Diesen nahm man anschließend in die Hand und formte mit einer kleinen Technik zwischen Daumen und Zeigefinger nach und nach kleine Mozzarellakugeln. Von hinten wurde dabei immer wieder Käse nachgeschoben und vorne entstanden kleine, perfekt runde Kugeln, die schließlich abgeschnitten wurden. Ehrlich gesagt hatten wir vorher keine Ahnung, wie Mozzarella hergestellt wird, umso faszinierender war es, den gesamten Prozess einmal selbst auszuprobieren.
Zum Abschluss bekam jeder seinen bereits perfekt gereiften Teigling. In zwei Gruppen formten wir unsere Pizzen. Dann wurde belegt: zuerst die selbst gemachte Tomatensoße, anschließend der frisch zubereitete Mozzarella und zum Schluss ging es für die Pizza direkt in den Ofen.
Wenig später saßen wir alle gemeinsam mit unserer Gruppe an einem großen Tisch, aßen unsere selbst gebackenen Pizzen, tranken noch ein Glas Wein und genossen den Blick über das Meer, während die Abendsonne die Amalfi-Küste langsam in goldenes Licht tauchte. Besser hätte man diesen Tag eigentlich kaum ausklingen lassen können.



Rückblickend war die Pizza-Klasse eines unserer absoluten Highlights der gesamten Reise. Nicht nur, weil wir eine Menge über die neapolitanische Pizza gelernt haben, sondern vor allem wegen der entspannten Atmosphäre, der tollen Gruppe und dieses einzigartigen Ortes. Zum Abschluss wurden wir zurück zum Treffpunkt gefahren und machten uns von dort aus zu Fuß auf den Weg zu unserer Unterkunft in Amalfi, müde, satt und mit einem ziemlich breiten Grinsen im Gesicht.
17.06.2026 Zitronenfarm und Abreise
Und dann war tatsächlich schon Mittwoch, unser letzter Tag an der Amalfi-Küste. Diesen wollten wir natürlich noch einmal voll ausnutzen. Deshalb hatte Nelly am Vortag spontan eine Führung durch den Amalfi Historical Garden für 10 Uhr gebucht. Ehrlicherweise hatten wir dabei auch etwas Glück. Gerade in der Hauptsaison sind die Touren oft schon einige Tage im Voraus ausgebucht, also auch hier: reservieren nicht vergessen!

Neben dieser gibt es noch eine weitere, sehr bekannte Zitronenfarm in Amalfi. Wir entschieden uns aber ganz bewusst für die kleinere. Unser Bauchgefühl sagte uns, dass es dort etwas ruhiger zugehen würde und genau so war es auch. Während die größere Farm ihre Besucher sogar mit Golfcarts den Berg hinauffährt, musste man hier den Weg noch ganz klassisch zu Fuß zurücklegen. Zugegeben: Es waren wieder einige Treppen. Aber vermutlich sorgte genau das auch dafür, dass hier deutlich weniger Touristen unterwegs waren.
Die Besitzerin empfing uns herzlich und führte uns zunächst durch ihren Zitronenhain. Dabei erfuhren wir jede Menge über die Geschichte der Amalfi-Zitronen, ihren Anbau und die Herstellung der verschiedenen Produkte. Wusstest du zum Beispiel, dass die Amalfi-Zitrone (Sfusato Amalfitano) eine geschützte Herkunftsbezeichnung besitzt? Sie darf also nur dann als echte Amalfi-Zitrone verkauft werden, wenn sie tatsächlich aus dieser Küstenregion stammt. Außerdem sind die Früchte deutlich größer als herkömmliche Zitronen und enthalten weniger Säure.
Spannend war auch der Vergleich zwischen den beiden bekannten Zitronenfarmen in Amalfi. Die größere, sehr bekannte Farm wirbt damit, die „älteste Zitronenfarm der Region“ zu sein und befindet sich inzwischen in siebter Generation in Familienbesitz. Allerdings ist die Geschichte etwas differenzierter: Sechs Generationen der Familie haben den Zitronenanbau an einem anderen Ort entlang der Küste betrieben und sind erst mit der letzten Generation direkt nach Amalfi selbst gezogen. Die Bezeichnung „älteste Zitronenfarm in Amalfi“ ist daher eher eine marketingbasierte Darstellung als eine ganz exakte historische Einordnung. Die kleinere Farm, für die wir uns bewusst entschieden hatten, ist dagegen tatsächlich bereits seit der vierten Generation direkt in Amalfi verwurzelt. Genau dieses Gefühl hat sich auch vor Ort bestätigt: deutlich ursprünglicher, persönlicher und weniger touristisch inszeniert.
Während der Führung bekamen wir viele spannende Einblicke in den Anbau und die Weiterverarbeitung der Zitronen. Zwischendurch durften wir sogar ein selbst hergestelltes Zitronenparfüm testen. Da wir das kleinste Tourpaket gebucht hatten, dauerte die Führung etwa eineinhalb Stunden und endete mit einer kleinen Verkostung auf der Terrasse. Es gab hausgemachten Zitronenkuchen, ein erfrischendes Zitronengetränk und natürlich einen Limoncello, dazu einen unglaublichen Blick über Amalfi.


Der Limoncello war übrigens wirklich lecker. Kaufen konnte man ihn allerdings nicht. Die Besitzerin erklärte uns, dass alles vollständig biologisch produziert wird. Für einen offiziellen Verkauf müssten zusätzliche Zutaten beigemischt und bestimmte Regularien erfüllt werden, was den Charakter des Produkts verändern würde. Das möchte man bewusst nicht, weshalb der Limoncello ausschließlich direkt vor Ort probiert werden kann. Sie gab uns außerdem noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: Wenn du Limoncello kaufst, schaue unbedingt auf die Zutatenliste. Ein guter Limoncello braucht im Grunde nur Zitronenschalen, Alkohol, Wasser und Zucker. Alles darüber hinaus ist oft ein Zeichen für ein industriell gefertigtes Produkt.
Zum Abschied bekamen wir sogar noch ein kleines Geschenk: eine wilde Orange und einige Amalfi-Zitronen. Mit den Kernen können wir nun unsere eigenen Zitronen ziehen. Dabei zu beachten: Zitronenbäume entstehen durch eine besondere Veredelung: Der robuste Stamm einer Bitterorange dient als Basis, auf den die eigentliche Zitronensorte aufgepfropft wird. Diese Methode sorgt dafür, dass die empfindlicheren Zitronenpflanzen stabil wachsen und die typischen Früchte der Amalfi-Küste überhaupt erst entstehen können. Seit unserer Rückkehr steht deshalb nun ein kleines Experiment auf unserem Balkon, mit Orangen- und Zitronensamen. Mal sehen, ob daraus irgendwann wirklich ein eigener kleiner Zitronenbaum wird. 🙂
Gegen 12 Uhr verabschiedeten wir uns von der Farm und machten uns noch auf den Weg zu unserem letzten Mittagessen. Oberhalb unserer Unterkunft hatte Nelly ein kleines, lokales Restaurant entdeckt: Agricola Fore Porta. Der Weg dorthin führte noch einmal über einige Treppen, aber das waren wir inzwischen gewohnt. Der kleine Aufstieg hat sich definitiv gelohnt. Das Restaurant arbeitet mit regionalen Zutaten aus eigener Produktion und ist ausschließlich mittags geöffnet. Wir entschieden uns beide für ein Nudelgericht und wurden nicht enttäuscht. Alles war unglaublich frisch und deutlich weniger touristisch als unten im Ortskern. Für uns ein echter Geheimtipp für alle, die gut zu Fuß sind.



Danach holten wir unser Gepäck in der Unterkunft ab und machten uns auf den Weg zur Fähre nach Salerno. Leider erwischten wir genau den Zeitpunkt, an dem die meisten Tagesgäste Amalfi verließen. Entsprechend voll war es am Hafen, und die Fähren kamen (wie so oft) eher verspätet als pünktlich. Hier lohnt es sich definitiv, etwas mehr Zeit einzuplanen oder alternativ den Bus als Rückweg zu prüfen.
In Salerno hatten wir schließlich Glück und erwischten gerade noch so einen Bus, der uns ohne Umsteigen bis zum Flughafen brachte. Und so endete unser kleiner Urlaub in Italien, mit Zitronenduft, gutem Essen, traumhaften Ausblicken und vielen kleinen Momenten, die uns noch lange im Kopf bleiben werden.
UNSERE TIPPS:
- Anreise über Salerno. Die Anreise über Salerno ist eine der entspanntesten und günstigsten Möglichkeiten. Der Bus dorthin ist sehr preiswert und führt bereits durch eine schöne Landschaft. Von Salerno aus geht es dann mit der Fähre weiter nach Amalfi. Auch Bus müsste möglich sein, dauert nur etwas länger. Zu den Stoßzeiten würden wir das aber auf jeden Fall vor den Fähren vorziehen!
- Fähren flexibel planen. Gerade in der Hochsaison lohnt es sich, die Fährplanung flexibel zu halten. Wenn ihr euch bei den Zeiten unsicher seid, kann es sinnvoll sein, das Ticket erst vor Ort zu kaufen. Je nachdem kann es bei den e-Tickets längere Schlangen geben.
- Unterkunft bewusst wählen. Direkt im Zentrum von Amalfi zu übernachten ist praktisch, aber oft teuer und sehr belebt. Eine echte Alternative sind die höher gelegenen Unterkünfte oder Nachbarorte. Wer ein paar Stufen nicht scheut, wird mit Ruhe, Natur und Zitronenhainen belohnt. Unsere Unterkunft Villa Zagara lag oberhalb des Ortskerns und war genau deshalb ein echtes Highlight.
- Je weiter weg vom Zentrum, desto authentischer. Direkt an der Küste reihen sich die typischen Touristenläden und Restaurants. Schon ein paar Meter ins Hinterland oder in die Seitenstraßen reichen oft aus, um ein deutlich ruhigeres und authentischeres Amalfi zu erleben, mit besseren Preisen und weniger Trubel.
- Nachmittags lohnt sich Amalfi besonders. Wenn die Tagesgäste wieder abreisen, verändert sich die Stimmung komplett. Ab dem späten Nachmittag wird es deutlich entspannter, und genau dann kann man Amalfi in seiner schönsten Atmosphäre erleben.
- Geheimtipp: der lange Anlegesteg. Am Ende des Hafens treffen sich vor allem Einheimische zum Sonnenuntergang. Viel ruhiger als im Zentrum und perfekt, um den Tag mit Blick aufs Meer ausklingen zu lassen.
- Pizza- und Kochkurse früh buchen. Wenn ihr eine Pizza- oder Kochklasse machen wollt, unbedingt rechtzeitig reservieren. Gerade in der Hauptsaison sind die Plätze schnell vergeben. Unsere Erfahrung bei Amalfi Heaven Gardens war eines der Highlights der gesamten Reise.
- Keramik bewusst kaufen. Die typische Keramik der Region ist wunderschön, aber nicht alles ist echte Handarbeit. Originale erkennt man oft an einem höheren Gewicht, individuellen Mustern (kein Stück ist identisch) und einem unglasierten Terrakottarand an der Unterseite. Häufig stammt echte Ware aus Vietri sul Mare, einem der bekanntesten Keramikorte der Region.
- Die „Instagram-Zitrone“. Viele der mit Zitronensorbet gefüllten Zitronen, die man überall sieht, sind eher ein touristisches Fotoprodukt als ein echtes kulinarisches Highlight. Meist handelt es sich einfach um Zitronensorbet in einer halben Zitrone, was ihr auch einfach so, ohne den Zitronenbecher, deutlich günstiger kaufen könnt.
- Limoncello bewusst auswählen. Ein guter Limoncello braucht keine künstlichen Aromen. Die besten Varianten bestehen aus Zitronenschalen, Alkohol, Wasser und Zucker. Alles darüber hinaus ist oft ein Zeichen für industrielle Produktion.
- Preise vergleichen lohnt sich. Es lohnt sich, ein paar Schritte weiter nach oben oder außen zu gehen. Oft findet man dieselben Produkte oder Gerichte deutlich günstiger als direkt an den Hauptstraßen.
- Wege mit Puffer planen. Busse und auch Fähren entlang der Küste sind nicht immer zuverlässig, daher sollte man immer genügend Zeit einplanen.
- Atrani unbedingt mitnehmen. Der kleine Nachbarort von Amalfi ist in nur etwa 15–20 Minuten zu Fuß erreichbar. Deutlich ruhiger, weniger touristisch und mit engen Gassen und kleinem Platz ein echter Kontrast zum lebhaften Amalfi.
- Tipp zum Schluss: weniger ist mehr. Die Amalfi-Küste lebt nicht davon, alles „abzuhaken“, sondern sich treiben zu lassen. Oft sind es genau die kleinen Momente abseits der Hauptwege, die am meisten in Erinnerung bleiben.