25.08.
Auch heute war die Wetteraussicht, mh sagen wir, bescheiden. Alles wirkte grau und trist, dicke Regenwolken hingen am Himmel und die Wiesen waren mit Wasser vollgesogen.
Das Wetter nutzten wir daher, um die letzte große Strecke zu den Lofoten hinter uns zu bringen. So tuckerten wir gemütlich zwischen Grünflächen, Felsen und kleinen Dörfern über nasse Straßen. Immer wieder kam es zu kurzen, aber heftigen Regenschauern.
Gegen Mittag legten wir einen kleinen Stopp an einem Rastplatz ein, verspeisten ein, zwei (oder auch mehr 😉 ) Kekse und fuhren dann weiter. Du musst wissen, als Snack für Zwischendurch gibt es für uns immer nur trockene Reiswaffeln, Butterkekse oder, wenn es mal besonderer sein soll, einen kleinen Haferkeks. Du merkst, sehr reichhaltig unser Essen und vor allem, günstig! Die Regale werden in Norwegen nach Preis, nicht nach Genuss abgegrast. Allgemein ist uns aufgefallen, dass ein Drittel der Supermärkte hier aus Chips und Süßem bestehen. Warum, das wissen wir auch nicht. Aber es ist auf jeden Fall sehr ungewöhnlich. Auch haben wir gelernt, dass es hier anscheinend Brauch ist, Süßes nur einmal in der Woche zu verspeisen, da einmaliges Naschen besser sein soll, als jeden Tag ein wenig. Daher gibt es zum Beispiel den „Süßen Samstag“, an dem die kleinen norwegischen Kiddies in die Supermärkte stapfen und sich die Taschen mit Gummibären und Schokolade vollstopfen dürfen. Haben wir zumindest mal so gehört.
Wir düsten weiter und kamen irgendwann an einem Schild vorbei, auf welchem „Arctic Circle“ zu lesen war. Spontan bogen wir daher rechts ab und gelangten zu einem größeren Gebäude, welches, von der Form her, an ein Iglu erinnerte. „Arctic Circle Center“ stand in dicken Buchstaben auf dem Haus geschrieben. Wir waren am nördlichen Polarkreis angelangt. Hier ist die theoretische Grenze zwischen Mitternachtssonne und Polarnacht. Dadurch sieht man im Winter den ganzen Tag keinen einzigen oder nur vereinzelt (wir wollen es ja nicht übertreiben) einen Lichtstrahl. Im Sommer geht die Sonne dafür nicht unter und es ist 24 Stunden lang taghell. Das Arctic Circle Center befindet sich 66°33‘ nördlicher Breite. Der große Metallglobus ist dabei eine bekannte Sehenswürdigkeit, welche viele Touri‘s nutzen, um ein Fotoandenken zu schießen. Wir ließen diese Attraktion allerdings aus, da es immer noch stark regnete. Daher machten wir uns weiter auf den Weg und, wie es in Norwegen üblich scheint, strahlte fünf Minuten später schon wieder die Sonne. Dadurch erstrahlte vor uns ein kräftiger, buntfunkelnder Regenbogen. Und, was für uns sehr außergewöhnlich war, wir konnten den Anfang und das Ende des Regenbogens sehen. Heißt es nicht, am Ende eines Regenbogens wartet ein Topf voller Gold. Tja, hier hätten wir definitiv ausgesorgt gehabt. Nach dem Naturspektakel strahlte die Sonne weiter für uns. Einige Kilometer später entdeckten wir den Spot für die Nacht. Direkt am Straßenrand führte eine kleine Einmündung in eine Waldlichtung. Auf dem Boden zeichnete sich eine alte Feuerstelle ab. Wir parkten den Bus und sahen uns um. Ein schmaler Weg führte uns durch einige Bäume direkt an den See. Hier fand sich auch ein kleiner Tisch mit zwei Bänken.
Da das Wetter aber heute sehr wechselhaft schien, entschlossen wir uns beim Bus zu bleiben und ein kleines Feuer zu entfachen. In Sven weckte das den Überlebensinstinkt und er graste den Wald nach kleinen und großen Stöcken ab. Mit leeren Zewa-Rollen, Tannenzapfen und kleinen Ästen bewaffnet, entfachte er ein Feuer. In der Zwischenzeit bereitete ich einen Stockbrotteig vor, ohne Hefe, da wir solch einen Luxus natürlich nicht besaßen.
Sobald sich die erste Glut zeigte, wickelten wir den Teig um zwei Äste und hielten unser Abendessen in die Flamme. Das Feuer wärmte uns und eine gemütliche Stimmung kam auf. Genüsslich aßen wir unsere Stockbrote am Feuer und kuschelten uns anschließend in den Bus.
26.08.
Am nächsten Tag machten wir uns, nach dem Frühstück, auf, um noch einige Blaubeeren zu sammeln. Nachdem ein kleines Schlüsselchen gefunden war, traten wir unseren Weg in Richtung Lofoten weiter an. Ständig auf der Suche nach einem offenen Café wurden wir leider enttäuscht. Hier oben gab es wirklich nichts. Die Einöde machte sich auch wieder bei den Spritpreisen bemerkbar, diese stiegen stetig weiter an. Wir versuchten unser Glück an einer kleinen Tankstelle am Straßenrand, welche auch ein kleines Café beinhalten sollte. Die Spritpreise waren von Weitem nicht ersichtlich. Von Nahem war es dann doch etwas teuer. Wir tankten 10 Liter, damit es für die Besucher des Cafés nicht komisch rüberkam und schlichen dann gleich davon. WIFI gab es übrigens auch nicht.
Endlich erreichten wir den Hafen in Skutvik. Von dort setzten wir mit der Fähre nach Svolvaer, der Hauptstadt der Lofoten, über. Die Fahrt dauerte zwei Stunden. Nach einer halben Stunde setzte bei Nelly langsam die Übelkeit ein. Sven hatte zuvor noch eine kleine Zimtschnecke gekauft, da Nelly die super lecker findet und es diese in Norwegen überall zu kaufen gibt. Der Zimtgeschmack haftete nun in Ihrem Mund und vermischt mit dem Schwanken des Schiffs, gab dies keine gute Kombi ab. Inständig hoffte Sie, dass dieses Erlebnis nicht den Geschmack auf Zimtschnecken verderben würde. Kennst Du das, wenn Du irgendwas gegessen hast und Du dabei ein schlimmes Erlebnis hast oder einfach nur einen Kater ;). Danach ist das eine Gericht ein Leben lang versaut. Aber, Entwarnung, Nelly kann immer noch nicht genug von den kleinen Teigschnecken bekommen.
Sven legte sich derweil nebenan Schlafen oder nervte mit dummen Sprüchen über Übelkeit.
Mit verschränkten Armen und das Gesicht darin begraben, versuchte Nelly die restlichen 1,5h irgendwie zu überleben, ohne Ihren heiligen Mageninhalt an Bord zu verteilen.
Nach gefühlten Jahren erreichten wir das andere Ufer. Es war bereits Nacht geworden. Wir schlängelten uns durch kleine Straßen und waren von den tollen Häusern hier auf den Lofoten begeistert. Ein Gebäude neuer als das andere. Wie kleine Villen standen sie am Ufer und waren hell beleuchtet. Es war wirklich schön anzusehen.
Es war Zeit schlafen zu gehen. Heute gestaltete sich die Schlafplatzsuche allerdings schwieriger als sonst. Gefühlt jeder kleine Winkel war hier bebaut. Mit Google Maps, MapsMe und Park4Night bewaffnet, suchten wir jede kleine Straße nach einem verlassenen Plätzchen ab. Wir schlängelten uns über einige kaputte Straßen und endeten schließlich auf einem ausgeschriebenen Zeltplatz. Hier können kleine Autos umsonst stehen und auch zum Zelten ist die große Wiesenfläche gut geeignet. Ein tolles Plus: Es gibt hier öffentliche Toiletten und eine Dusche für einen kleinen Preis, mit Kreditkarte bezahlbar. Auch Frischwasser steht hier allen zur Verfügung. Wir legten uns Schlafen und genossen süße Träume.
Unsere Tipps
- Stockbrot gelingt auch ohne Hefe oder Backpulver. Uns hat es zumindest trotzdem sehr lecker geschmeckt. Mische dafür einfach Mehl, Salz, Öl und Milch/Pflanzenmilch nach Gefühl, bis ein schöner Teig entsteht.
- Halte Dich bei der Schlafplatzsuche an die Ausläufer und die Küstenumgebung. Innerhalb der Lofoten oder der kleinen Dörfchen ist meist jeder Fleck bebaut. In der ersten Nacht mussten wir lange suchen, bis wir einen Schlaflatz gefunden hatten.
- Dieser Zeltplatz ist ein wirklich toller Geheimtipp. Es gibt hier alles was das Camperherz begehrt bzw. was es zum Überleben benötigt. Für kleinere Camper und Autos wie gemacht und auch zum Zelten gibt es eine tolle Wiese.