Ring, ring… 6.30 Uhr. Was für eine schreckliche Zeit. Jeder Morgenmuffel und Langschläfer kann uns in diesem Moment wohl nur zu gut verstehen. Es war viiiel zu früh!
Aber, heute stand ja einiges auf dem Programm. Unsere sportliche Seite war gefragt. Wir packten unseren Rucksack mit Trinken und einigen notdürftigen Essensvorräten (leider lag es hierbei nicht an den teuren Lebensmitteln, wir hatten einfach nur nichts Gescheites da und schwer sollte es auch nicht sein). Mit unserem kleinen Bus düsten wir zu P2, lösten das Ticket und machten uns bei strahlender Sonne auf den Weg. Schön wär’s. Natürlich regnete es. Es gab aber keine Ausreden, wir hatten uns fest vorgenommen diesem Troll die Stirn zu bieten. Also machten wir uns auf den Weg, vorbei an den Leuten, die auf den Shuttle-Bus nach oben warteten. Im Nachhinein ist uns klar geworden, warum diese uns so erstaunt und gleichzeitig entgeistert angesehen hatten. Niemals würden wir freiwillig den Hang erneut nach oben laufen. Nach gefühlt 500 Meter hatten wir auch schon die Schnauze voll, aber es half nichts. Wir mussten weiterlaufen. Weitere Meter später fuhr langsam ein Auto an uns heran und Zack die Karma-Schelle schlug zu. Eine Niederländerin und ihre Tochter boten an, uns mit nach Oben zum Parkplatz P3 zu nehmen. Wir glauben nämlich an das Gute, alte Karma und vielleicht war das gerade der Dank dafür, dass wir Kamila ein Stück mitgenommen hatten. Natürlich nahmen wir das Angebot sofort dankend an. Es war ein riiiesen Glück für uns. Später stellte sich nämlich heraus, dass wir unsere ganzen Energiereserven für den Weg benötigen würden und uns durch die nette Mitfahrgelegenheit einiges erspart worden war.
Auf P3 angekommen, bedankten wir uns und stapften los Richtung Trolltunga.
Der Weg führte uns über Wiesen, Steinflächen und kleine Bachgefilde. Es ging bergauf und bergab. Zwischendurch nieselte es leicht, war aber alles in allem gut auszuhalten. Die letzten Kilometer zogen sich dann aber doch und wir freuten uns endlich den Spot erreicht zu haben. Wir wurden mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt und die ganze Anstrengung war es definitiv wert. Schon der Weg bietet eine unglaublich tolle Kulisse durch seine Grünflächen, Bergseen und Felshänge.
Nach einem kleinen Snack wollten auch wir ein Bild auf der Trollzunge machen. Wie es der Zufall so wollte, trafen wir hier auch wieder auf Kamila. Sie hielt unsere Mühen mit dem Handy fest. Anschließend machten wir uns wieder auf den Rückweg. Zurück war das Ganze dann doch nochmal ein bisschen anstrengender. Nach 24 km über Stock und Stein landeten wir endlich wieder auf P3. Nun hieß es nur noch den ganzen Hang wieder hinab. Sven heulte übrigens schon seit Stunden rum, dass ihm die Füße so schmerzen, weil ihm die Schuhe nicht richtig passten. Ein Indianer kennt kein Schmerz oder kommt da doch der natürliche, männliche Jammerlappen zum Vorschein? 😉 Allerdings waren seine Füße wirklich überall offen, weshalb die letzten Kilometer für ihn auch echt eine Tortur darstellten.
ENDLICH unten angekommen, wurden die Schuhe erst einmal in die nächste Ecke geworfen und wir lüfteten unsere Stinkfüße aus. Für alle um uns herum wäre ein Meter Sicherheitsabstand bestimmt ratsam gewesen :D. Übrigens hatten wir den Rückweg über mit dem Wetter mega Glück. Es regnete kein einziges Mal!
Wir sind soo froh diese Erfahrung gemacht zu haben, auch wenn sie sehr schweißtreibend war. Der Blick, die Natur und die Aussicht machen alles andere wieder wett.
Nach kurzer Toilettenpause kochten wir uns ein kulinarisches Highlight, nicht (Fertiggericht hallo), und füllten unseren Wasserkanister auf. Anschließend fuhren wir noch ein kleines Stück weiter und schlugen auf einem mehr oder weniger Privaten Fleckchen Erde mit direktem Blick auf einen wundervollen See unser Nachtlager auf. Gestört hat es niemanden.
Unsere Tipps:
- Packe auf Deiner Norwegen-Reise auf jeden Fall warme und wasserfeste Klamotten ein. Gute Wanderschuhe sind das A und O, gerade wenn Du die Trollzunge besteigen möchtest.
- Gehe vor 8 Uhr (bis spätestens 10 Uhr) los. Du hast dann genügend Zeit den Weg über die ganzen Steine und Wiesen noch bei Tageslicht zu meistern.
- Denke an Essen für ein bisschen mehr Energie. Deine Trinkflasche kannst Du dafür frisch an vielen kleinen Wasserfällen auf dem Weg auffüllen. Super frisches Gletscherwasser :)!